Inhaltsangabe zu "Und essen werden wir die Katze"
Biografien kann man an- und ausziehen, sich umhängen oder sich daran aufhängen, zumindest literarisch. Meist ist es umgekehrt. Biografien schreiben fest: Afghanischer Flüchtling. Österreichische Sozialhilfeempfängerin. Aber wie lange bleibt der Flüchtling ein Flüchtling? Und warum bleiben der Sozialhilfeempfängerin so viele Türen verschlossen? Nadine Kegele sucht die Leerstellen und Zwischentöne und changiert zwischen Lossagung und Neuschreibung. Sie zerteilt Lebensläufe in ihre Bausteine, baut Collagen aus Wörtern und Bildern - und geht dabei weit über die Genregrenzen hinaus. Nadine Kegele hört nicht nur den Stimmen genau zu, die sich ihr anvertrauen, sie schaut auch jedem Wort genau auf die Finger. Sie befragt seine vorder- und tiefgründige Bedeutung und erkennt Sprache als hochpolitisches Instrument. Jede Erzählung schärft den Blick auf die Gesellschaft und zeugt von einer großen Lust am Finden und Erfinden. Wirf Flugzettel ab wie in dem Märchen vom Krieg, wirf sie in dampfende Küchen, in Krabbelstuben, in die Dauerwellen unter den Trockenhauben der Frisiersalons.
Genreübergreifende Texte und Bilder, brandaktuell und interpreta
Und essen werden wir die Katze von Nadine Kegele ist ein Spiel mit Textarten, Bildern, genreübergreifend, sehr interpretativ und anspruchsvoll. Die Autorin zeigt uns Biografien, die dem Menschen anhaften, Geflüchtete, Sozialhilfeempfängerin, Arbeiter, sie lassen sich nicht so leicht abstreifen. Wir sehen Bild-Text-Collagen, die tradierte Werte hinterfragen, die den komplizierten Weg der weiblichen Emanzipation zeigen, die patriarchalische Denkmuster aufreißen. Wir lesen starke Texte über Flucht, dem Ankommen in einer westlichen fremden Welt, über Menschen, die durch fehlende Sprachkenntnisse im Ankunftsland vereint sind, über Ewiggestrige, über prekäre Arbeitsverhältnisse. Jeder Text lässt viel Möglichkeit zur Auslegung, es ist oft eine wirklich anstrengende Auseinandersetzung mit Text und Bild. Die Collagen würde ich gerne als Installation in einem physisch größeren Rahmen sehen, um sie ganz erfassen zu können. Laut gelesen wirken manche Texte wirken auch besser.
Es sind aber vor allem brandaktuelle Texte, die Autorin nimmt Bezug auf die gegenwärtige politische Situation im Land, geht mit der herrschenden Regierung ins Gericht und versprüht dabei trotz allem vorsichtigen Optismismus. Den stinkenden Fisch müssen wir wohl noch ein ertragen.